Jorge Gomez Elizondo - Komposition

Orchideen & Wespen: Komposition als Ästhetik der Veränderung

Abstrakt

Im zunehmenden Umbruch im Bereich multimedialer Komposition sind zahlreiche praktische und theoretische Diskurse entstanden, die sich der Musikkomposition mit der Feststellung nähern, dass Klang allein nicht mehr ausreicht, um musikalische Ideen auszudrücken. Die unzähligen kompositorischen Materialien und Formen, die verwendet werden, um musikalische Ideen zu erforschen, reichen von Mikrocontrollern, YouTube, Klanginstallationen, Spielstrategien, VR, Alltagsgegenständen, KI und einer immer länger werdenden Liste, mit denen Komponisten, Interpreten und Publikum konfrontiert werden.

Mein Forschungsprojekt befasst sich mit der systematisierten Praxis und Theorie des Komponierens von Werken, die als Zyklus konzipiert sind, in dem multimediale Transformationsprozesse hervorgehoben werden. Ich komponiere einen Zyklus von Werken, wobei ein identifizierbares charakteristisches Merkmal einer Ausgangskomposition vergrößert wird, und artikuliere das Werk durch verschiedene multimediale Möglichkeiten hindurch. Diese Wiederholungen verstehe ich als ein System der Differenz durch Wiederholung, das einen kontinuierlichen Zustand im Status des Fließens festigt.

Die wiederkehrende Orchidee und Wespe in den Schriften von Deleuze und Guattari veranschaulichen reichhaltig miteinander verbundene Konzepte - Rhizom, Fluglinien, Vielheit, Werden, Deterritorialisierung u.a. -, die ich in meiner künstlerischen Praxis als grundlegenden Teil des kreativen Prozesses einsetze. Mein Konzept der Multimedia-Komposition bezieht sich auf diese Doppelfigur und die damit verbundenen Konzepte als die vielfältigen Möglichkeiten, in denen sich Medien auf unerwartete Weise zueinander verhalten und Prozesse in Gang setzen.

Forschungsfragen, die sich daraus ergeben, sind: Wie kann ich neue Ansätze zur musikalischen Komposition durch eine Ästhetik der Veränderung entwickeln, in Form eines Zyklus von Werken, die sich über den Einsatz verschiedener Medien differenzieren? Welche Strategien kann ich mir ausdenken, um diese differenzierenden Stücke zu schaffen? Was passiert mit der Idee, wenn sie durch eine andere multimediale Konfiguration aktualisiert wird?

Erstbetreuerin: Univ. Prof. Carola Bauckholt, ABPU
Zweitbetreuer: Univ. Prof. Dr. Tasos  Zembylas, mdw

Biografie

Jorge Gómez Elizondo strebt nach ständiger Erneuerung und Transformation. Seine Werke verbinden musikalische Komposition, Klangkunst, Performance und szenische Aspekte. Er schreibt Kompositionen, in denen das Zufällige, das Geplante, das Improvisierte mit einer Vielzahl von Bedeutungen oder einer Neukontextualisierung von Raum und Klang verwoben wird. Einige der wiederkehrenden Themen in seinem Werk sind Transformation, Perspektive, Vielfältigkeit, Erzählung und Improvisation.

Jorge studierte Komposition in Monterrey (UANL, Bachelor) und Musiktechnologie in Mexiko-Stadt (UNAM, Master) bei Ricardo Martínez und Roberto Morales. Er schloss sein Masterstudium in Komposition an der Anton Bruckner Privatuniversität bei Carola Bauckholt ab und ist derzeit Doktorand im künstlerisch-wissenschaftlichen Doktoratsstudium an der Anton Bruckner Privatuniversität.

Im Jahr 2020 erhielt er das Startstipendium für Musik und Darstellende Kunst des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, Öffentlichen Dienst und Sport sowie das Kompositionsstipendium der Stadt Wien für sein Musiktheaterstück All is Well (Sisyphus is still happy). 2018 spielte das Bruckner Orchester aus Holz und Fleisch im Rahmen der "Anhörung" in Linz, Österreich. Das Soloviolinstück Anamensis gewann den ersten Preis beim nationalen Wettbewerb für Partituren, XI Festival Internacional de Música Nueva Monterrey.

Seine Musik wurde von Ensembles wie PHACE, Neue Vocalsolisten Stuttgart, Schallfeld, Ensemble Recherche, Vertixe Sonora, Phoenix, Oerknal! Liminar, Schlagquartett Köln, Toyen Fil øg Klafferi und Norwegian Cornett and Sackbuts Ensemble gespielt.