Christof Ressi ­– Komposition, Performance Practice

Doktoratsprojekt

Offene Form in Computerspielumgebungen für audiovisuelle Kunstwerke
Ziel meines Forschungsvorhabens ist die Entwicklung von Computerspielumgebungen auf Basis des Open-World-Spielprinzips, die ausschließlich der Realisierung interaktiver audiovisueller Kunstwerke dienen. Ausgangspunkt für mein Forschungsinteresse ist meine persönliche Unzufriedenheit mit der mangelnden unmittelbar sinnlichen Wahrnehmbarkeit vieler musikalischer offener Formkonzepte – insbesondere für das Publikum. Meine Ausgangsthese ist, dass audiovisuelle Kunstwerke, die auf einer Computerspielumgebung basieren, aufgrund ihres hochgradig interaktiven und nichtlinearen Charakters besonders dazu geeignet sind, die Idee der Offenen Form in einer dem Publikum in Echtzeit nachvollziehbaren Form zu verwirklichen.

Meine zentralen Forschungsfragen lauten: Wie können mithilfe von gezieltem Regeldesign klar identifizierbare ästhetische Resultate erzielt werden, ohne das dem/der Ausführenden konkrete Spielanweisungen beispielsweise in Form einer Partitur zur Verfügung stehen. Wie kann trotz der umfassenden interpretatorischen Freiheit, die dem/der Performenden gegeben ist, eine übergreifende künstlerische Identität des Werkes gewährleistet werden? Wie kann die spontane Entscheidungstätigkeit des/der Ausführenden zu einem performativen Element erhoben werden und der ihnen zur Verfügung stehende Möglichkeitsraum dem Publikum unmittelbar erfahrbar gemacht werden?

Der Kompositionsprozess verlagert sich dabei von der Gestaltung der konkreten klanglichen und visuellen Erscheinungen innerhalb einer Zeitlinie auf eine höhere Ebene, nämlich dem Design von abstrakten Regelsystemen, die komplexe Interaktionsmuster und emergentes Verhalten hervorrufen.

Ich werde musikalische Computerspielumgebungen in unterschiedlichen Settings testen, analysieren, dokumentieren und evaluieren. Die Werke entstehen in enger Zusammenarbeit mit Performer/innen und in iterativen Arbeitsphasen, so dass in Probenprozess und Aufführung gewonnene Erkenntnisse in das Werk zurückfließen können. Wichtig ist dabei u. a. die Aufzeichnung der Publikumsreaktion in Bezug auf die Wahrnehmung des Möglichkeitsraums. Meine Evaluierung stützt sich auf qualitative wie quantitative Methoden.

Erstbetreuerin: Univ.Prof.in Dr. Barbara Lüneburg, Anton Bruckner Privatuniversität
Zweitbetreuer: Univ.Prof Dr. Martin Kaltenbrunner, Kunstuniversität Linz
Externer Drittbetreuer: Univ.Prof Dr. Marko Ciciliani, Kunstuniversität Graz

Biografie

Christof Ressi ist ein österreichischer Komponist, Arrangeur, Medienkünstler und Softwareentwickler. Er studierte Komposition und Musiktheorie bei Gerd Kühr, Dieter Ammann und Alexander Stankovski, Jazzkomposition und Arrangement bei Ed Partyka und Computermusik bei Marko Ciciliani. Er arbeitet und lebt in Graz (Österreich). Seine künstlerische Arbeit umspannt verschiedene Genres wie zeitgenössische Klassik, Jazz, experimentelle Elektronik und Medienkunst. Er produziert Musik, Sounddesign und Video für Theater- und Tanzproduktionen und arrangiert Musik für alle Arten von Ensembles und Instrumenten, einschließlich Big Band und Orchester.

Ressis Musik wurde in vielen Ländern weltweit aufgeführt und seine Computermusikarbeit wurde auf internationalen Konferenzen wie NIME oder Linux Audio Conference vorgestellt. Er ist Empfänger des "Andrzej-Dobrowolksi-Kompositionsstipendium des Landes Steiermark" (2017) und Preisträger des "SKE-Publicity-Preis" (2018). Im Jahr 2020 war er einer der beiden Preisträger des 8. internationalen "Johann-Joseph-Fux"-Opernkompositionswettbewerbs. Mit dem Klarinettisten Szilard Benes verbindet ihn eine intensive Zusammenarbeit. Als Duo treten sie sowohl mit audiovisuellen Kompositionen als auch mit Improvisationen auf. 2019 wurden sie zu einer zweiwöchigen Residenz (MISE-EN_PLACE Bushwick) nach New York eingeladen. Seit 2020 werden sie im Rahmen von "New Austrian Sound of Music", einem Programm des österreichischen Außenministeriums für internationale Konzertaktivitäten, gefördert.

Als Softwareentwickler hilft Ressi oft bei der technischen Umsetzung von Kunstprojekten und trägt regelmäßig zu Open-Source-Projekten wie Pure Data und Supercollider bei. Er veröffentlicht seine eigene Software unter Open-Source-Lizenzen.

www.christofressi.com

www.vimeo.com/christofressi