Nikolaus-Harnoncourt-Zentrum

Eröffnungsveranstaltung & Ausstellungsbeginn:
Nikolaus Harnoncourt Zentrum

FR 03.05.2024, 13.00 Uhr | Landesmusikschule St. Georgen im Attergau mit LH Thomas Stelzer im Rahmen der 5. Internationalen Nikolaus Harnoncourt Tage von 03. bis 05.05.2024

Ausstellungsdauer: 03.05.2024 bis September 2024
Podiumsdiskussion der kulturphilosophischen Denkwerkstatt:
SA 04.05.2024, 11.00 Uhr
mit Wolfram Eilenberger und Florian Boesch, Moderation: Judith Hoffmann

Anlässlich der feierlichen Eröffnung des Nikolaus-Harnoncourt-Zentrums an der Anton Bruckner Privatuniversität am 3. Mai 2024 in St. Georgen im Attergau findet ebenfalls die Vernissage der Ausstellung Nikolaus und Alice Harnoncourt: Musik ist eine Sprache in der dortigen Landesmusikschule statt. Die von Marie-Theres Arnbom kuratierte Ausstellung portraitiert den Lebensweg des Ehepaares verbunden mit der Pionierreise der Entdeckergemeinschaft. Zu erwarten sind Einblicke in die Arbeitsweise Harnoncourts und seine musikalische Entwicklung. Sie richtet sich an Erwachsene und Kinder, Laien und Experten.

Die Ausstellung wird vom 3. Mai bis Mitte September in St. Georgen zu sehen sein und übersiedelt im Anschluss vom 21. Oktober bis 6. Dezember 2024 (Nikolaus Harnoncourts 95. Geburtstag) ins Foyer der Bruckneruni in Linz.

Der Eintritt ist frei.

 

Mit 5. Juni 2023 hat das Nikolaus-Harnoncourt-Zentrum (NHZ) an der ABPU seine Arbeit aufgenommen und möchte sich kurz vorstellen:

Welche Aufgabe hat das Nikolaus-Harnoncourt-Zentrum?

Das Nikolaus-Harnoncourt-Zentrum (NHZ) macht es sich zur Aufgabe, das Harnoncourtsche Universum der Nachwelt zugänglich zu machen, indem sein über sieben Jahrzehnte angelegtes Archiv digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird und zum Forschen und Diskutieren einlädt. Das Ziel ist nicht nur ein musikwissenschaftliches Forschungszentrum, sondern sein Alleinstellungsmerkmal spiegelt sich in der interdisziplinären Arbeit als Forum für Bildung wider. Das NHZ sieht sich als „Fackelträger“ der Harnoncourtschen universellen Gedankenwelten und wagt die Betrachtung größerer Zusammenhänge der Entwicklung der letzten Jahrhunderte, um einen Ausblick auf die Zukunft zu wagen. Die kultur-philosophische Denkwerkstatt wird Persönlichkeiten unserer Zeit zur Auseinandersetzung mit den aktuell brennenden gesellschaftlichen Themen einladen. Junge Musiker*innen sollen für sich den Sinn und die Inspiration ihres Musizierens ergründen und darin ihre Erfüllung finden. In Summer Schools werden Harnoncourts Wegbegleiter seine Findungswege den Studierenden weitergeben.

Die Geistesbildung der Jugend war ihm zeitlebens ein besonderes Anliegen, dessen Entwicklung er mit großer Sorge betrachtete. Das NHZ wird gemeinsam mit dem oberösterreichischen Landesmusikschulwerk und der Landesmusikschule in St. Georgen im Attergau ein Pilotprojekt zur Jugendförderung im Sinne Nikolaus Harnoncourts verwirklichen.

Das Nikolaus-Harnoncourt-Zentrum ist neues Mitglied beim REMA – Réseau Européen de Musique Ancienne!

REMA ist das Netzwerk für Alte Musik in Europa. Mit über 130 Mitgliedern, die in den Bereichen Aufführung, Programmgestaltung, Bildung, Künstlermanagement oder Aufnahme tätig sind, hat es die Legitimation, über Schöpfung, Erbe, Integration und Nachhaltigkeit zu diskutieren.
REMA ist bestrebt, die führende Stimme des Sektors in Europa zu sein, indem es das Bewusstsein für Alte Musik schärft, die Wiederentdeckung des europäischen Erbes und Repertoires im Sinne einer historisch informierten Aufführung fördert und gleichzeitig die Kreativität der Künstler und ihre berufliche Integration unterstützt.

www.rema-eemn.net/members/nikolaus-harnoncourt-zentrum-au-sein-de-la-anton-bruckner-privatuniversitat/

Was ist das Archiv?

Bisher konnten Zuhörer, Interessierte, MusikerInnen und MusikwissenschaftlerInnen die musikalischen Intentionen Nikolaus Harnoncourts nur in der Momentaufnahme eines Konzerts und an Hand von Aufnahmen erkennen oder mit Hilfe seiner Bücher tiefer in seine Gedankenwelten eindringen. Jedoch drückt sich dessen Fähigkeit zur musikalischen Darstellung von Musik noch deutlicher in seinen schriftlichen Anmerkungen und Annotationen in den Partituren und Aufführungsmaterialien aus, die besondere Einblicke in den künstlerischen Gestaltungswillen und umfassende Hintergrundinformation eröffnen.

Nikolaus und Alice Harnoncourt haben seit dem Beginn ihrer Arbeit 1949 systematisch ein Archiv auf Holzregalen angelegt, welches bis heute stetig auf ca 80 Regalmeter angewachsen ist.

Am Beginn mussten die Noten von Manuskripten oder Microfilmen in Bibliotheken und Archiven händisch abgeschrieben und Orchesterstimmen angefertigt werden, nur um sie überhaupt durchspielen und damit bewerten zu können, ob sie ins Konzertprogramm Aufnahme finden werden.

In der Reihe der annotierten Partituren Nikolaus Harnoncourts liegt der Schwerpunkt auf Werken von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Anton Bruckner oder Johann Strauss, aber auch Jacques Offenbach, Giuseppe Verdi, Antonin Dvorak, Johannes Brahms, Robert Schumann, Béla Bartók und natürlich die meisten Barock-Komponisten, von denen er einige überhaupt der Vergessenheit entrissen hat wie Ignaz Biber, Johann Heinrich Schmelzer und Georg Muffat.

Musik und Literatur treten einem aber auch unmittelbar aus dessen Nachlass entgegen. Zahlreiche Musikalien verschiedenster Gattungen, die er nie aufführen sollte, sowie Manuskripte und Notizen seines musikliterarischen Schaffens und Unterrichts sind darin enthalten.

Das Archiv ist heute auf eine umfangreiche Sammlung angewachsen, die das gesamte Schaffenswerk dokumentiert:

  • Notenmaterial (Partituren, Orchestermaterial, Kopien von Manuskripten und andere Primärquellen);
  • (annotierte Bücher) der musikalischen Handbibliothek;
  • Sekundärliteratur (Programmhefte, Kritiken, Skizzen, Korrespondenzen, Repertoirelisten, Aufführungslisten, Dirigierzettel, Konzepte, Gedanken, Unterrichtsmaterial, Probenpläne, Vorträge, Interviews, Fotos, etc.)
  • audio-visuelles Material (alle kommerziellen Aufnahmen aller Formate, Radio- und TV-Beiträge, Interviews, Vorlesungen, nicht-veröffentlichte Konzert- und Probenmitschnitte)

Nimmt man sich die von Harnoncourt eingerichtete Partitur eines Werkes vor, um seine Gedanken und Schwerpunkte nachlesen und erfassen zu können, so wird das Werk mit einer Vielzahl von Material dazu ergänzt: Skizzen, Besetzungsideen, Konzepte, Sekundärliteratur zum Werk oder seinem Komponisten, Manuskripte, Briefe, Primärquellen, welche alle zur Auseinandersetzung Harnoncourts mit dem Werk beitrugen. Dazu gibt es Material, das um die Aufführung des Werkes und deren Rezeption kreist: Presseinterviews, Ankündigung über die Medien, aktuelle Berichterstattung, Tourneepläne, Programmhefte, Aufführungszettel, Probenpläne, Korrespondenzen, Fotos, Kritiken, oftmals einen Mitschnitt der Aufführung für Radio, TV, DVD oder CD.

Die meisten aufgeführten Werke im Archiv sind auf diese Weise von der Interpretationsansatz bis zum Tonträger recht lückenlos dokumentiert und nachvollziehbar.

Die große Zahl der Aufnahmen, Programme, Rezensionen, Auszeichnungen und Preise zeugt nicht nur von der hohen Wertschätzung des Künstlers, die er sich über Jahrzehnte erst erarbeiten musste, sie vermittelt auch ein anschauliches Bild der radikalen Erneuerung der Interpretation Alter Musik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Das Nikolaus-Harnoncourt-Zentrum lädt alle Interessierte und Suchende herzlich ein, sich mit künstlerischen, philosophischen und wissenschaftlichen Anfragen an uns zu wenden.
Auch für Ihre Abschluss- oder Doktorarbeit haben wir reichhaltiges Material!

 

„Das Nikolaus Harnoncourt Zentrum beim Forschungstag der ABPU am 27. November 2023.

Hier finden Sie den Vortrag von Claudia Stobrawa MA zum Download zum Nachlesen:“

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