Doktoratsprojekt Constantin Georgescu

Kartierung von Wahrnehmung – Erfahrung kodieren: in Tanz

Aus phänomenologischer Sicht ist der Tanz nicht nur der Körper, den wir sehen, sondern auch die Erfahrung der Bewegung, wie sie von Performern wahrgenommen wird. Eine Perspektive, die sich nur auf die tanzende in Raum und Zeit eingeschriebene Geste konzentriert, lässt das eigentliche empirische Ereignis aus. Es ist daher essentiell, die aktive Verbindung und Interaktion von Tänzern mit ihrer Umgebung sowie die inhärente kinästhetische und wahrnehmende Einbindung derselben zu berücksichtigen.

Daraus ergeben sich Fragen:

Wie beeinflusst und organisiert Wahrnehmung Bewegung im Tanz? Wie formulieren wir die Erfahrung der Bewegung? Wie übersetzen wir ein kinästhetisches Ereignis in den Bereich der Sprache?

Wie sind die in einem choreographischen Kontext eingesetzten Werkzeuge und Objekte relevant für die kognitiven Prozesse, die bei der Entwicklung von Tanz stattfinden? Haben diese Werkzeuge einen Einfluss auf unser Wahrnehmungs- und kinetisches Universum? Bedeutet das, dass unsere Erkenntnisgewinnung unsere körperlichen Grenzen überschreitet?

Auf der Grundlage von Methoden aus der Phänomenologie untersuche ich die kognitiven Prozesse, die während der Erfahrung von Tanzen stattfinden. Ich versuche, das Kräftespiel zu berücksichtigen, das sich aus dem aktiven Engagement mit und der Verbindung zwischen Tänzer und Umgebung ergibt und das Material für die Choreographie generiert. Aus der forschenden Ich-Perspektive heraus werde ich Ereignissen und Entwicklungen nachspüren und sie in Hinblick auf die Erfahrung der Bewegung/des Tanzes kartieren, während ich gleichzeitig die verkörperten und erweiterten kognitiven Prozesse dokumentiere und bewerte.

Erstbetreuerinnen: Prof. Rose Breuss and Prof. Dr. Claudia Jeschke, ABPU Zweitbetreuerin: Prof. Dr. Karin Harasser, Kunstuniversität Linz

Biographie

Constantin Georgescu ist ein rumänischer Choreograf, Videokünstler und Tanzlehrer. Er absolvierte ein neunjähriges Programm an der Choreography High School in Bukarest zur Vaganova-Methode des klassischen Tanzes und schloss seinen Master in Tanzpädagogik mit der Arbeit "A fluid perspective on dance training" ab. Derzeit arbeitet er an seiner künstlerisch-wissenschaftlich Promotion an der Anton-Bruckner-Universität in Linz.

Georgescus Arbeit als Tänzer und Performer hat ihn mit verschiedenen Arten und Stilen der Choreographie – vom Ballett über den zeitgenössischen Tanz bis hin zum Tanztheater – in Berührung gebracht. Vor seiner Tätigkeit als freischaffender Künstler arbeitete er als Tänzer für verschiedene Kompanien, darunter das Rumänische Nationalballett in Bukarest, das Ballett-Theater "Oleg Danovschi" in Constanta und die deutschen Tanzkompanien der Staatstheater Augsburg, Saarbrücken, Braunschweig und Bremen. In dieser Zeit arbeitete er unter anderem mit Choreographen wie Urs Dietrich, Emanuel Gat, Marco Goecke, Tero Saarinen, Suzanne Linke, Constanza Macras, Marguerite Donlon und Beatrice Massin. Darüberhinaus war Georgescu Probenleiter und Ausbildungskoordinator für die Tanzgruppen Sankt Gallen (Marco Santi) und das Landestheater Linz (Mei Hong Lin).

Seit dem Jahr 2006 arbeitet er auch als Videokünstler und erstellt  Tanzfilmen, Bühnen-Videodesign und Videodokumentationen. Als Choreograf reicht sein Schaffen von kompletten Ballett-Re-Inszenierungen bis hin zu experimentellen und zeitgenössischen Werken. 2000 erhielt er den "Choreographiepreis" des Internationalen Tanzwettbewerb Constanta.

Georgescu unterrichtet Bewegungsimprovisation sowie zeitgenössischen und klassischen Tanz an verschiedenen Kompanien, Schulen und Universitäten. Er lebt und arbeitet in Österreich.