Doktoratsprojekt Tania Rubio

Biomusik: Von Tierkommunikation zu Komposition

Ziel meines Projekts ist es, durch den Transfer von Erkenntnissen aus der Bioakustik und Ökoakustik neue Perspektiven für die Musikkomposition zu finden. Meine Forschung konzentriert sich auf die letzten fünfzig Jahre der Entwicklungen in Musik und Wissenschaft, in denen Technologie eine grundlegende Bedeutung für den Fortschritt der Klangstudien in den Bereichen elektroakustische Musik, Klangkunst, Zoomusikologie, Biomusikologie, Bioakustik und Ökoakustik hat.

Ich beabsichtige, Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien auf dem Gebiet der Bioakustik und Ökoakustik auf eine andere Perspektive zu übertragen, nämlich die der Kunst. Dabei analysiere und beschreibe ich die akustischen Phänomene ökologischer Beziehungen in bestimmten Klanglandschaften und nutze sie als Werkzeug, um neue Ansätze des Komponierens zu finden.

Meine Methodik bedient sich gemischter Forschungsstrategien: Erstens: Hören, aufnehmen und analysieren natürlicher Klanglandschaften. Zweitens: Sammeln und analysieren von Kompositionen von 1970 bis heute, die sich auf dieses Thema beziehen. Drittens: Untersuchung dieser Analysen unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der Wissenschaft auf dem Gebiet der Bioakustik und Ökoakustik. Auf diesen Erfahrungen und Erkenntnissen aufbauend werde ich neue Kompositionen erschaffen, die Hörerfahrung erweitern sollen.

Durch meine künstlerische Forschung möchte ich zum einen Tierkommunikation als lebendiges und sich veränderndes akustisches Phänomen verstehen, und zum anderen neue imaginäre und poetische Welten schaffen, die Natur und Mensch als gleichgestellt begreifen.

Erstbetreuerin: Univ. Prof. Carola Bauckholt, ABPU
Zweitbetreuerin: Univ. Prof. Dr. Annegret Huber, mdw
Externer Drittbetreuer: Antonio Celis-Murillo, PhD, U.S. Geological Survey

Biographie

Tania Rubio (* 1987, Mexiko-Stadt) arbeitet als Komponistin, transdisziplinäre Künstlerin und Fieldrecorderin. Ihre Musik wurde in Mexiko, Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, USA, Frankreich, Spanien, England, Deutschland, Schweiz und in Österreich aufgeführt.

Auf der Suche nach Wissensaustausch zwischen Kunst, Wissenschaft, Natur, alten Kulturen und Technologien konzentriert sich Rubio auf transdisziplinäre Ansätze zwischen Klangkunst, Bioakustik und Interkulturalität. Das Studium oraler Kulturen innerhalb ihrer traditionelle Kontexte prägen ihre künstlerische Arbeit maßgeblich. Dazu gehören: Afrikanische Percussion und Flöte (Guinea, Mali, Senegal), das indonesische Gamelan Orchester, die brasilianische Schlagzeugtradition Capoeira Angola, die mexikanische Fandango-Tradition und präkolumbianische Instrumente.

Rubio schloss ihren Bachelor in Komposition an der Universidad Nacional Autónoma de México 2014 mit Auszeichnung ab. Als FONCA-CONACYT-Stipendiatin absolvierte sie ihr Masterstudium in „Musikschaffen, neue Technologien und traditionelle Künste“ an der Universität UNTREF und ihre Spezialisierung auf „Objekt-Theater, Interaktivität und neue Technologien" an der Universidad Nacional de las Artes (Buenos Aires, Argentinien).

Rubio besuchte Meisterkurse bei international anerkannten Komponisten wie Estrada, Rocha Iturbide, Baca Lobera, Russek, Goebbels, Oliveros, Andre, Maierhof, Rosenboom, Ortiz de Zarate, Tolosa und Minsburg.

2019 wurde sie als „Composer in Residence“ vom Archiv Frau und Musik und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main ausgewählt und wurde für ihr Projekt „Biomachines, Wind Animals“ durch das Arts, Science und Technologieprogramm FONCA-UNAM 2019 ausgezeichnet.

Rubio ist Gründerin des Revueltas Sonoras-Projekts, das sich der Verbreitung neuer Musikwerke aus Lateinamerika widmet und ein globales Netzwerk von Künstlern aufbaut. Sie gibt Workshops an Universitäten und auf internationalen Kongressen in Mexiko, Argentinien, Kolumbien, Brasilien und Kanada.

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