Doktoratsprojekt Jorge Gomez

Komponieren mit performativen Klanginstallationen: Auf dem Weg zu einem Multi-Format

In diesem Forschungsprojekt untersuche ich  systematisch verschiedene Instanzen der Verbindung von Komposition und Klanginstallation in Praxis und Theorie. In meiner Kunst werde ich multiple Möglichkeiten derselben performativen Installation entwickeln, die  jeweils von verschiedenen Fachleuten (z.B. Musikern, Tänzern) und/oder dem Publikum aufgeführt werden. Das heißt, die Installation wird als ein Multi-Format Interface existieren.

Obwohl es im Kontext der zeitgenössischen Musik eine wichtige und zunehmende Präsenz von installativen Praktiken gibt, gibt es nur wenige Untersuchungen zu diesem neueren Phänomen. Die Literatur konzentriert sich hauptsächlich auf frühe Manifestationen performativer Installationen. Meiner Meinung nach ist jedoch die Überschneidung von Performance und Klanginstallation innerhalb der zeitgenössischen Musikpraxis noch nicht ausreichend abgedeckt. In diesem Projekt möchte ich diese Forschungslücke bearbeiten.

Forschungsfragen, die sich stellen, sind: Welche allgemeinen Strategien können entwickelt werden, um Klanginstallation und musikalische Performance zu verschmelzen, so dass die Komposition als Multi-Format-Interface existieren kann? Wie können die verschiedenen Temporalitäten von Klanginstallation und Performance zusammenwirken? Was geht durch ein Multi-Format Interface eventuell verloren, was wird künstlerisch gewonnen? Behält das Werk seine Identität innerhalb aller Formate? Welche Variablen entstehen durch die verschiedenen zeitlichen, räumlichen und performativen Entfaltungen des Stückes?

Ich werde diese Fragen durch eine systematische Untersuchung des Kontextes durch Geschichte und aktuelle Entwicklungen sowie durch praxisorientierte Kunstforschung, Autoethnographie und Feedbackschleifen beantworten, in denen Theorie und Kunst sich gegenseitig reflektieren und beeinflussen.

Erstbetreuerin: Univ. Prof. Carola Bauckholt, ABPU
Zweitbetreuer: Univ. Prof. Dr. Tasos  Zembylas, mdw

Biographie

Jorge Gomez erneuert sich als Komponist ständig selbst. Sein Schaffen mäandert durch Komposition, Klangkunst, Performance, Musiktheater und die Erforschung der daraus resultierenden Wechselwirkungen. Wiederkehrenden Thematiken seiner Arbeit sind Aneignung, Perspektive, Dualität, Erzähltheorie, Improvisation und Alltag.

Gomez studierte Komposition in Monterrey (UANL, Bachelor) und Musiktechnologie in Mexico City (UNAM, Master) bei Ricardo Martínez und Roberto Morales und absolvierte ein Masterstudium in Komposition an der Anton Bruckner Privatuniversität bei Carola Bauckholt. Von 2013 bis 2016 war er Universitätsprofessor an der Autonomen Universität Nuevo León (UANL) und am Technological Institute of Monterrey (ITESM) in Monterrey, Mexiko.

Er erhielt Stipendien vom Composer Center of Nuevo Leon in den Jahren 2007, 2010 und 2012-13, von der Postgraduiertenabteilung der UNAM 2011-2012, vom Mexican Center for Music and Sound Art 2010 und ein Stipendium für seinen Master in Komposition in Linz von FONCA-CONACYT. Seine Komposition „Anamnesis“ für Violine solo gewann den ersten Preis in der Internationalen Komposition des International XI New Music Festival 2014 in Mexiko.

Gomez Musik wurde vom Ensemble PHACE, Ensemble Recherche, Vertixe Sonora, Phoenix, Oerknal!, Liminar, dem Schlagquartett Köln, Toyen Fil øg Klafferi und den Norwegian Cornett and Sackbuts in Konzerten und auf internationalen Festivals wie Wien Modern, Biennale für Neue Musik und Architektur in Basel (Schweiz), Konsertserien Periferien (Oslo, Norwegen), Festival Internacional Cervantino, (Mexiko), Correspondencias Sonoras (Spanien), Delian Academy for New Music (Griechenland), Ars Electronica und Leicht über Linz (Österreich) aufgeführt.