Doktoratsprojekt Dolma Jover Agulló

Verkörperte Kontemporanität

Eine künstlerische Forschung auf der Basis von Fallstudien zur Verhandlung kinetischer Prozesse in der Praxis des zeitgenössischen Tanzes.

Meine künstlerische Forschung konzentriert sich auf Tanzkunstpraktiken mit dem Ziel theoretische und praxeologische Interaktionen neu zu formulieren. Die Forschung wird durch eine Untersuchung von Fallstudien über zeitgenössische und historische Konzepte der Techniken des Spanischen Tanzes und des zeitgenössischen Tanzes umrahmt. Als Kernelement der Forschung dient dabei das Material zweier Fallstudien und deren besondere Kontextualisierungen.

Durch meine eigene Verkörperung der Notation von Fanny Elsslers Aufführung des Tanzes Cachucha (notiert von Hutchinson in Laban-Notation, Fallstudie 1) und des Schrittmaterials der Bolero School und der Boleras de la Cachucha von Angel Pericet (Fallstudie 2) beabsichtige ich einen kinetischen Verhandlungsprozess einzuleiten. Dieser Prozess soll in erster Linie als Quelle für breit gefächertes praxeologisches Wissen dienen und zeitgenössische Tanzformen in Hinblick auf Produktion, Konzept und den eigentlichen Tanz beweglicher und flexibler machen. Indem ich Aspekte von Zeit und Raum durch das Embodiment von Tanzmaterialien neu formuliere, möchte ich einen erweiterten Ansatz für die Kontemporanität („Zeitgenössischkeit“)  von Tanzformen und Tanzen an sich entwickeln.

Was kann man erreichen durch das Studium des Phänomen Cachucha, welche Wege des Verstehens der physischen Transformation dieser Tänze sind hierüber möglich? Durch die Aktivierung der sich voneinander unterscheidenden Bereiche der Tanz-Erfahrungen und des Tanz-Wissens möchte ich herausfinden, wie ich über meine Pilotprojekte herausfinden, wie ich zur Produktion von Temporanität von Tanzformen beitragen kann.

Erstbetreuerinnen: Univ. Prof. Rose Breuss und Prof. Dr. Claudia Jeschke, ABPU
Zweitbetreuerin: Univ. Prof. Dr. Karin Harasser, Kunstuniversität Linz

Biographie

Dolma Jover Agulló arbeitet als Tänzerin, Choreographin und Lehrerin. Sie schloss ihren Master of Arts und Bachelor of Arts an der Anton Bruckner Privatuniversität ab und erwarb einen zweiten Bachelor in Choreographie und Interpretationstechniken am Superior Conservatory of Dance, Valencia. Darüber hinaus erwarb sie den Grado Profesional de Danza in zeitgenössischem Tanz und den Grado Elemental in klassischem Tanz und Spanischem Tanz. Sie ist Mitglied der Spanischen Tanzforschungsvereinigung D + I.

Agulló etablierte ihre professionelle Tanzkarriere als Tänzerin in verschiedenen europäischen Tanzkompanien und -kollektiven. Ihre eigenen Stücke wurden in etablierten Veranstaltungsorten und auf Festivals wie beispielsweise dem Ars Electronica Festival 2013 Linz, der Kinetica Art Fair 2014 London, dem Dans/Technologies/Interactivities Festival 2014 Bukarest, Sound ART Köln 2014 und dem Zagreb Youth Theatre Croatia mit der Zagreb Dance Company aufgeführt.

Als angehende Tanzforscherin hielt sie  unter anderem Vorträge am I Encuentro Internacional de Investigación Performativa, Creación, Comunicación y Socialización de las prácticas en danza Bilbao, Festi-Danza am Nationaltheater von San Salvador,  dem  Symposium Tanz und Migration Linz, und am San Sebastian de la Gomera Choreographic Center und veröffentlichte eine Schrift mit dem Titel „Transcultural Body Dance Research“. Derzeit arbeitet sie an ihrer künstlerisch-wissenschaftlich Promotion an der Anton-Bruckner-Universität in Linz.

Eng mit ihrer Tanzforschung verbunden, leitet Agulló Tanzworkshops in Mexiko, El Salvador, Nicaragua, Estland, der Dominikanischen Republik, Spanien, Kolumbien und Österreich.