Doktoratsprojekt Albert Fischer

Váša Příhoda, ein kritischer Blick auf sein Leben und seine Kunst

Einer der bedeutenden und prominenten Violinisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Váša Příhoda. Er war Vertreter der böhmischen Violintradition und sein Spiel wurde oftmals mit der virtuosen Kunst eines Niccolo Paganini in Verbindung gebracht. In dieser Arbeit erfährt er erstmals eine breitere wissenschaftliche Betrachtung.

Sein erfolgreicher Weg an die Spitze der damaligen Geiger-Elite im Musikleben der Zwischenkriegszeit untermauert ein besonderes künstlerisches Potenzial, heute erscheint der Künstler weitgehend unbeachtet. Zahlreiche interessante Fragen tauchen auf, die eine wissenschaftliche Erforschung in mehrere Richtungen naheliegend erscheinen lassen – wie etwa Fragen zur Etablierung seiner Karriere, nach Beweggründen seiner Tätigkeit im Nationalsozialismus sowie zu seinem unverwechselbaren Künstlertum.

Neben einer eingehenden Beschäftigung mit wissenschaftlich-biographischer Detailarbeit zur Künstlerkarriere und seinem künstlerisch-politischen Handeln im Nationalsozialismus versucht die vorliegende Arbeit seine Violinkunst im Spannungsfeld virtuoser Interpretationskunst des frühen 20. Jahrhunderts zu verorten und sich auch anhand computergestützter Analysemethoden aus der Interpretationsforschung seinem Kunstideal und der Frage anzunähern, inwiefern dieses vom Zeitgeist, einer politischen Ideologie oder virtuosen Violintraditionen geprägt war. Eine Vielzahl an überlieferten Lebens- und Tondokumenten bieten hierzu Material zu intensiver Auseinandersetzung, neue Einblicke und Spuren eines künstlerischen Lebenskonzeptes in einer fast schon vergessen scheinenden Epoche des Virtuosentums.

Erstbetreuer: Dr. Lars Laubholdt, ABPU
Zweitbetreuer: Prof. Dr. Nils Grosch, Universität Salzburg

Biographie

Albert Fischer studierte Violine bei Hans Pedl in Wels, Professor Eduard Arzt am Brucknerkonservatorium Linz und Prof. Gerhard Schulz und Prof. Gerhart Hetzel an der Musikhochschule Wien mit Meisterklassen bei Henryk Szeryng, Max Rostal und Evgenia Tschougaieva. Mentorin seines musikalischen Weges war die Pädagogin und Max Strub Schülerin Anna Haberzettl. Die Mitgliedschaft bei der Wiener Kammerphilharmonie, beim Chamber Orchestra Of Europe, die erste Konzertmeisterstelle am Opernhaus Augsburg/D (1989-1995), sowie eine intensive Konzerttätigkeit als Solist und Kammermusiker in Europa und Asien stellen Stationen seiner beruflichen Laufbahn dar.

Als Solist konzertierte Albert Fischer beispielsweise mit Orchestern wie den Zagreber Philharmonikern oder dem Brucknerorchester Linz, als Kammermusiker war er von 1999 -2010 Mitglied des Salzburger Klaviertrios „Trio Cartellieri“ mit Auftritten u. a. bei den Salzburger Festspielen, und Konzerten in Österreich, Luxembourg, Deutschland, und Griechenland. CD Aufnahmen unterstreichen diese Zeit künstlerischer Tätigkeit wie zum Beispiel die vielbeachtete Duo-CD mit Werken von Mozart, Schubert, Brahms 2008 mit Andreas Weber am Klavier. Zu seinen künstlerischen Aktivitäten zählen außerdem die Leitung der Camerata Wels (2000-2016), die Gründung des Ensembles BEL’ART im Jahr 2012 sowie die jahrelange Konzertmeistertätigkeit im Symphonieorchester Wels.

Seit 1993 unterrichtet Albert Fischer als Professor für Violine an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz. Viele seiner Studenten absolvieren erfolgreich Kammermusik- und Orchesterkarrieren (u.a. Wiener Philharmoniker) und haben Erfolge bei nationalen und internationalen Wettbewerben aufzuweisen. Zu Fischers weiterer Tätigkeiten zählen Meisterklassen in Asien und Europa und seit 2018 die Leitung einer eigenen Sommerakademie in Vodnany/ CZ. Seit 2011 ist Albert Fischer Gründungs-Mitglied und Juryvorsitzender im internationalen Violinwettbewerb „Váša Příhoda“ in Budweis/ CZ, außerdem künstlerischer Beirat der OÖ. Streichervereinigung und Mitglied der ESTA in Österreich.