Atelier zur Intermedialität choreographischer Praxen

Von 14. - 16. Dezember 2017 organisiert das Institute of Dance Arts an der Anton Bruckner Privatuniversität ein Atelier zur Intermedialität choreographischer Praxen. Anmeldung unter ida@bruckneruni.at

 

Die gegenwärtige Tanzszene ist mit einer Vielzahl von künstlerischen, theoretischen und historischen Wissensproduktionen befasst. Diese beziehen sich (mit einem noch immer kanonisierten und deshalb vorrangig narrativierten Forschungsverständnis) auf einen, wenn auch inzwischen als limitiert erkannten Archiv- und Technikbegriff. Versuche, das „Archiv“ (mit seinen vermeintlich dauerhaften Dokumenten) bzw. die „Technik“ (mit ihren normativen Qualitäten) durch die Befassung mit dem a-materialen „Repertoire“ (als Reservoir verkörperter Praktiken oder verkörperten Wissens) zu erweitern, erregen zwar Wahrnehmungs-theoretische Aufmerksamkeit, jedoch erweist sich die Übersetzung dieser Aufmerksamkeit in methodologisch überzeugende Verfahren als problematisch – wohl weil es keine verbindlichen Strategien gibt (oder geben kann?), wie sich das dazu notwendige Praxiswissen, d.h. hier vor allem: das Tänzer*innen-/Performer*innenwissen, integrieren oder gar diskursivieren ließe.

In diesem Zusammenhang wäre zu diskutieren, welche methodologische Rolle eine tänzerisch/performativ verstandene Intermedialität spielt, die die archivierten Daten sowie die normierten Tanztechniken als Medien, als vom Körper distanzierte, entfremdete Informationen akzeptiert, sie miteinander kombiniert, sie transformiert, überformt oder als Referenzsysteme verwendet. Und so als getanzte Partitur die immaterielle Lücke, den Durchgang/Übergang zum Körper ereignishaft re-materialisiert.

Im Atelier richten deshalb Produzierende und Rezipierende von Tanzwissen ihre Blicke/Verkörperungen auf „choreographische Praxen“, d.h. auf den immer tänzerisch gefilterten mobilen, dynamischen Umgang mit Archiven, Repertoires und Performances, indem sie diese als intermedial verwendbare „scores“ identifizieren.

Die in den einzelnen Ateliers thematisierten Intermedialitäten stellen selektive Beispiele dar: Sie verhandeln die Geschichte des Tastsinns (Karin Harrasser) ebenso wie das Spektrum von Bewegungserfahrungen durch die Kinetographie Laban (Noëlle Simonet); sie machen die komplexen Handlungsverflechtungen während Probenprozessen deutlich (Katarina Kleinschmidt) und sie isolieren choreographische Strategien – in Laboratorien (Johannes Randolf) und bei der Verfertigung spezifischer Performances (Rose Breuss). Der Einfluss kulturgeographischer Kontexte auf intermediale Verfahren, Texte und Filme steht im Mittelpunkt alternativer Tanzgeschichten aus dem beginnenden 20. Jahrhundert (Gunhild Oberzaucher-Schüller und Kristina Köhler) in Europa sowie in der aktuellen exemplarischen Materialisierung japanischer Körper in Mode (Jörg Wiesel) und Tanz (Romina Achatz).

Konzeption

Rose Breuss und Claudia Jeschke

Referent/innen

  • Mag. Romina Achatz, PhD Studium an der Kunstuniversität Linz (Betreuung Dr. Thomas Macho)
  • Univ. Prof. Rose Breuss, Professorin für Movement Research, IDA-Institutsdirektorin der Anton Bruckner Privatuniversität, Linz
  • Univ. Prof. Dr. Claudia Jeschke, Professorin für Tanzwissenschaft, IDA – Institute of Dance Arts der Anton Bruckner Privatuniversität, Linz
  • Univ. Prof. Dr. Klemens Gruber, Universität Wien – Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Projektleitung (gemeinsam mit Univ.Prof. Antonia Lant, Ph.D.) „Texture Matters: Das Optische und das Haptische in den Medien“, gefördert von FWF Translational Brainpower/Research Programm
  • Univ. Prof. Dr. phil. Karin Harrasser, Professorin für Kulturwissenschaft an der Kunstuniversität Linz, jüngste Publikation: Karin Harrasser (Hg.), Auf Tuchfühlung. Eine Wissensgeschichte des Tastsinns, Campus Verlag 2017
  • Dr. Jana Herwig, M.A., Medienwissenschafterin, wissenschaftliche Mitarbeiterin im FWF-Forschungsprojekt „Texture Matters. The Optical and Haptical in Media“ (2011-2014, Universität Wien, Leitung: Univ.-Prof. Dr. Klemens Gruber) Herausgeberin (gemeinsam mit Alexandra Seibel) der Publikation „Texture Matters“
  • Dr. des. Katarina Kleinschmidt, zurzeit wissenschaftliche Mitarbeit im BMBF Projekt „Transform“ von
    Prof. Dr. Joachim Ludwig, Uni Potsdam zu ästhetischer Bildung; die Dissertation „Artistic
    Research als Wissensgefüge. Eine Praxeologie des Probens im zeitgenössischen Tanz“ ist im
    Erscheinen
  • Dr. Kristina Köhler, Jun.-Prof. an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Film-, Theater- und empirische Kulturwissenschaft
  • Dr. Gunhild Oberzaucher-Schüller, Tanzhistorikerin, Autorin, zuletzt von 2003-2009 Leiterin der dem Fachbereich Kunst-, Musik- und Tanzwissenschaft angegliederten Derra de Moroda Dance Archives der Universität Salzburg
  • Johannes Randolf, Universitätslehrer für zeitgenössischen Tanz, IDA – Institute of Dance Arts, Gründer des Lehrgangs Urban Dance Styles an der ABPU, Physiotherapeut (in Praxisgemeinschaft)
  • Noëlle Simonet, Tänzerin, Gründerin der Labkine Company, lehrt Laban-Notation am Conservatoire
    Superieure de la Danse, Paris
  • Prof. Dr. Jörg Wiesel, Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Hochschule für Gestaltung und Kunst, Institut Ästhetische Praxis und Theorie - Co-Leitung

Anmeldung

Um Anmeldung anmailto:ida@bruckneruni.at wird gebeten.

 

 

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